Das Problem mit dem Equipment aka Gear-Wahn

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Das Problem

Wer hört nicht stets von den neuesten Kameras, den neuesten Objektiven? Wer schaut nicht gerne auf die Weltbesten Fotografen und vergleicht? Ich muss zugeben, ich bin oft dem Gear-Wahn verfallen gewesen. Ich konnte nicht rational denken, ich habe stets versucht das beste zu haben oder wenigstens ein vergleichbares, billigeres Pendant zu bekommen. Als Beispiel: Ich hätte natürlich gerne ein Nikon 24-70mm 2.8 Objektiv. Doch das liegt noch etwas in der Ferne. Was habe ich gemacht? Ich habe mir ein Tamron 28-75mm 2.8 Objektiv gekauft. Ich dachte, damit könnte ich es ein klein wenig kompensieren. Teilweise konnte ich es natürlich auch, doch das nur im Hinblick auf die Brennweite. Die Qualtität? Die war ein klein wenig schlechter würde ich behaupten.

Ich habe Shotkit gefunden und ich habe jede Seite von jedem vorgestellten Fotografen angeschaut, um zu schauen, womit diese ihre Fotos schießen. Ich wollte die Kameras natürlich auch haben. Solche Seiten sind sehr informativ, können jedoch auch ein Bild erzeugen, dass man stets das Beste braucht.

Das Problem kennen sicherlich viele und die Lösung ist sicherlich auch jedem bekannt, doch das Aufschreiben ist wie immer eine Art von Selbstreflexion und Fortschritt. Man kann es besser verarbeiten.

Nicht zuletzt bin ich immer wieder auf Momente gestoßen, wo ich dachte: Das kann ich nicht fotografieren, wenn ich nicht das und das Equipment habe.

So ein Quatsch

Beginnt man mit der Fotografie, bekommt man stets zu hören: Der Mensch macht das Foto, nicht die Kamera. Oder, dass man mit jedem Gerät großartige Fotos schießen kann. Dem kann ich nun teilweise zustimmen. Teilweise ist das nach meiner Ansicht einfach Humbug. Die Grenzen des jeweiligen Equipments wird man auch nicht einfach streichen können, wenn man der beste Fotograf ist. Als Beispiel einfach nur die Möglichkeit mit besserem Equipment in lichtschwachen Verhältnissen besser aussehende Fotos schießen zu können. Das ist einfach so. Ich schieße grundsätzlich ohne Blitz und kam so schon oft an die Grenzen meiner Kamera. Da ist es meiner Meinung nach berechtigt an ein Upgrade zu denken.

Der Fokus sollte jedoch darin liegen, dass man die Grenzen entdeckt. Auch mit einer 3000€ Kamera kann man schlechte Fotos schießen, wenn man die Kamera nicht beherrscht. Da ist der oben genannte Spruch wirklich wahr. Doch die Grenzen für sich und das was man schießen möchte sind einfach vorhanden. Und da kann man nicht einfach sagen, dass man auch mit einem iPhone alles hätte schießen können. Der Anspruch an die eigenen Qualität schwingt immer mit.

Die Lösung

Wie immer: Denk nicht zu viel nach. Arbeite mit deinem Equipment so lange es geht und finde heraus, ob du mehr erreichen möchtest und ob das Equipment dafür ausreicht. Ein Weitwinkelfoto kann man auch irgendwie erreichen, wenn man mit einem 85mm Objektiv ganz weit nach hinten geht, doch will und -  noch viel wichtiger - kann man das wirklich in jeder Situation und in der Zukunft? Ich finde da kann man sich Gedanken machen, welches Equipment man haben möchte.

Die oben genannte Seite, Shotkit, hat mir einerseits einen Einblick in die Kamerataschen anderer Fotografen gegeben. Also womit sie schießen und was ihren Stil ausmacht. Das war mir sehr hilfreich die verschiedensten Möglichkeiten zu sehen, womit man alles schießen kann. In dem Gear-Wahn kann einem das natürlich mal die Sicht vernebeln. Am angenehmsten fand ich Anthony Gauna vorzufinden, der alle seine Fotos "nur" mit einer D600 und seiner Backup-Kamera, der D7000, geschossen hat. Das hat mir ein klein wenig die Augen geöffnet, so blöd es auch klingt. Jeder nach seinem Rhythmus.

Zwar hat Herr Gauna laut Instagram auf die D750 geupgraded, doch die Tatsache, dass er keine D4 hat oder D800 hatte (so wie viiiiele andere) hat mir einfach gefallen. Es ist einfach wirklich die Kunst selbst herauszufinden, was man mit den eigenen Möglichkeiten erreichen kann. Es ist die schwierigere Art damit zurecht zu kommen, doch die richtige. Bevor man wirklich so viel Geld ausgibt und stundenlang die neuesten Kameranews sollte man wirklich das eigene Equipment beherrschen. Bei Erreichen der eigenen Grenzen kann man - wie geschrieben - über ein Upgrade denken. Doch davor sollte man Spaß haben, denn man kann wirklich mit fast jedem Gerät tolle Fotos schießen und das sollte das Ziel von allen sein.